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Der Kreuzgang des Bonner Münsters gehört zu den tausend
Orten in Deutschland, Österreich und der Schweiz, die man gesehen haben
muss - wie nicht nur Experten immer wieder sagen. Sogar im fernen China
fehlt er nicht in den Reisemagazinen über Bonn. Nach der Neugestaltung
im Jahr 2008 präsentiert er sich wieder in seiner ganzen Schönheit. Ein
Ort zum Atemholen mitten in der Stadt, eine Stätte der Ruhe und der
Stille in einer lärmenden City.
Im Mittelalter war der Kreuzgang das
Zentrum des Cassiusstifts, hierhin führten alle Wege, von hier aus zog
man zum Gottesdienst in die Stiftskirche. Wenn sich die Stiftsherren
hier zur Prozession versammelten, standen sie auf den Gräbern, auf den
Schultern ihrer Vornger. Sie nahmen sie gleichsam mit, wenn sie zur
Messe gingen. Auch die Gruft der Münsterpfarrer liegt in unserem
neugestalteten Kreuzgang wieder auf dem Weg. Nicht so, dass man darüber
gehen sollte, aber so, dass deutlich wird, unsere Wege setzen euren Weg
fort.
Die Grabplatten lassen uns
vorsichtig gehen, wer hier läuft, gerät schnell ins Stolpern. Langsam
schreitend wird uns eine andere mittelalterliche Überzeugung bewusst:
»Mitten im Leben sind wir vom Tod umfangen«. Der Tod war den Menschen
gegenwärtig - gewiss anders als heute, wo kein Tag vergeht, an dem die
Medien nicht irgendwo den Tod von Menschen vermelden.
In manchen Kreuzgängen findet sich
deshalb das Wort: »Was Ihr seid, sind wir gewesen, und was wir sind,
werdet Ihr sein!« So verstanden ist der Tod nicht mehr die Zäsur, nicht
mehr der katastrophale Zusammenbruch aller Lebenschancen, sondern er
markiert den Übergang in eine andere Wirklichkeit. |